Anforderungen

Was für fachliche und persönliche Anforderungen werden an Sie als Mitglied des (vorläufigen) Gläubigerausschusses gestellt?

Die fachlichen und persönlichen Anforderungen eines Gläubigerausschussmitglieds sind vielfältig. Nicht alle der folgenden Anforderungen müssen in Person eines jeden Mitglieds des (vorläufigen) Gläubigerausschusses vorliegen. Wünschenswert ist es aber, wenn jede Anforderung von zumindest einem Gläubigerausschussmitglied erfüllt wird.

Hilfreich ist ein gutes Verständnis einzelner Mitglieder für die spezielle Branche des Schuldners. Durch vorhandene Branchenexpertise können die Mitglieder des (vorläufigen) Gläubigerausschuss spezielle Fragestellungen, insbesondere branchentypische Geschäftsabläufe und Besonderheiten, bei ihren Überlegungen und Entscheidungen berücksichtigen.

Daneben ist im Rahmen der Funktion als Mitglied eines (vorläufigen) Gläubigerausschusses Verschwiegenheit ein wesentlicher Aspekt. Fatal wäre es für das Verfahren, wenn z.B. ein Kreditinstitut einem seiner sonstigen Kunden Informationen liefern würde, die diesem Kunden Vorteile, sei es im Geschäftsverkehr oder auch im Rahmen eines späteren Verkaufs des Schuldnerunternehmens, bieten. Auch der Arbeitnehmervertreter im (vorläufigen) Gläubigerausschuss darf nicht die im Ausschuss diskutierten Themen, z.B. über Fortführungs- oder Schließungsszenarien an die Arbeitnehmerschaft weitergeben. Er könnte sich ansonsten schadensersatzpflichtig machen.

Insolvenzrechtlichen Expertise sollte mehrfach im (vorläufigen) Gläubigerausschuss vorhanden sein, da die Tätigkeit als Gläubigerausschussmitglied stark rechtlich geprägt ist. Verträge müssen geprüft, Sicherungsrechte berücksichtigt, formale verfahrensrechtliche Anforderungen erfüllt und die Anforderungen der Rechtsprechung bekannt sein. Ohne mindestens ein insolvenzrechtlich versiertes Mitglied in der Person eines Juristen ist dies nicht zu gewährleisten.

Daneben spielt die betriebswirtschaftliche Expertise unter Berücksichtigung der speziellen Effekte eines Insolvenzverfahrens eine erhebliche Rolle. Die Prüfung der Liquiditätsplanung, der Plausibilisierung des Sanierungskonzepts oder die Kassenprüfung bedürfen mehr als rudimentäre Kenntnisse der Betriebswirtschaftslehre. Ohne ein bestimmtes Maß an Erfahrung in diesem Bereich besteht das Risiko, dass wesentliche Punkte, unter Umständen auch Vorgaben aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung, was zum Beispiel Intensität oder zeitliche Intervalle der Kassenprüfung angeht, schlicht aus Unwissenheit nicht beachtet werden.

Sollten die rechtlichen und/oder betriebswirtschaftlichen Anforderungen nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden können, so ist es allein aus haftungsrechtlichen Erwägungen angeraten, dass sich die Mitglieder des (vorläufigen) Gläubigerausschusess in einzelnen Bereichen oder auch in Form einer ständigen Beratung durch externe Spezialisten bedienen, die nachweislich die Anforderungslücke besetzen können.

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